Genfer Briefmarken 1843-1854

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Category: Kantonal, Forschung
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Publication year: 1990
Page count: 76
Cover: Hardcover
Number of copies: Unbekannt
Publishing house: Gessler SAA Sion
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EINLEITUNG 
Ihre erste Postorganisation verdankt Genava la Romaine dem «cursus pub/icus». Als Hafenund Zollstadt war sie der Sitz eines wichtigen Postrelais. Nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches werden rege/massige Postfahrten erst mit der Entwicklung des Handels im 16.-17. Jahrhundert von weitsichtigen Händlern (de Stockalper von B r/g) oder Korporationen in St. Gallen, Zürich, Schaffhausen organisiert: die «ordinarii» zwischen den europäischen Handelszentren (Lyon, Mailand, Nürnberg, usw.). Durch ihre geographische Lage befindet sich die Stadt Genf somit im Mittelpunkt eines recht bedeutenden Postnetzes. Im Jahre 1669 eröffnet Frankreich ein Postamt in Genf. Diese besitzt somit den ersten Stempel schweizerischen Ursprungs (1695).

Von 1675 bis 1850 herrscht die mächtige Berner Familie Fischer mit Ausnahme eines kurzen Zeitraumes von 1798 bis 1815. Während dieser Zeit war die Republik Genf ein französisches Departement, und der Postdienst wurde nach dem französischen System organisiert. Der Pachtvertrag zwischen den Herren Fischer aus Bern und der Republik und Kanton Genf wurde am 15. November 1815 unterzeichnet. Er ist für 15 Jahre abgeschlossen und sieht eine jährliche Abgabe von 89250 Gulden (ungefähr 42 000 Goldfranken) vor. Im Jahre 1850 wird der Pachtvertrag mit der Familie Fischer nicht erneuert, da man davon überzeugt ist, dass die Herren Fischer trotz des Preises von 89250 Gulden grossen Gewinn aus dem Vertrag ziehen. Das Gesetz vom 16. April 1850, das am l Januar 1851 in Kraft tritt, vertraut die Aufsicht der Post der sogenannten Postkommission an, die fünf vom Staatsrat ernannte Mitglieder umfasst. Gemäss dem Wortlaut von Artikel 6 des Gesetzes ist dieses bis Ende des Jahres 1855 gültig. Es wurde nämlich eine Probezeit von zwei Jahren eingeräumt, wobei einige Übergangsmassregeln aufgütlichem Wege mit den Herren Fischer getroffen wurden.

Ein im Jahre 1858 veröffentlichtes Gesetz bringt erhebliche Änderungen und macht es möglich, die Verwaltung der Post dem Finanzdepartement zu übertragen. Somit verschwindet die Postkommission. Im Jahre 1840 wird das Porto für normale, innerhalb der gleichen Gemeinde zuzustellender Briefe von 10 Centimes auf 5 Centimes herabgesetzt. Dies ist die Situation als im Frühjahr 1845 Alphonse de Candolle, Botaniklehrer und Abgeordneter, den Grossrat interpelliert und die Grundlagen für die Reform des Postdienstes schafft.

Am 22. Mai 1845 schlägt Herr de Candolle vor, die Frankatur von Briefen durch die zwei folgenden Massnahmen zu erleichtern:

1) Eröffnung in Genf von ein oder zwei Ämtern, auf denen Briefe wie im Zentralpostamt frankiert werden können.

2) Für die Kantonspost, Herstellung von Marken oder Klebezetteln, wie dies in England für die generelle Post gehandhabt wird. Diese «Frankaturen» werden zum Preis eines einfachen Briefes verkauft und ersetzen das Porto, wenn auf einem Brief angebracht.