Bahnpost

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Schon ab 1847 wurde Post durch die legendäre Spanisch-Brötli-Bahn auf der Strecke von Zürich nach Baden befördert und durch einen Condukteur im Gepäckwagen begleitet.

In der Schweiz wurden erstmals 1857 Bahnpostwagen bei der Schweizerischen Nordostbahn auf der Strecke Zürich–Baden–Brugg eingesetzt. Die Einrichtung der Bahnpostwagen war äusserst karg. Die ersten Bahnpostwagen befanden sich im Eigentum der Bahngesellschaften, und die Schweizer PTT hatte die Verzinsung der Anschaffungskosten, die Abschreibungsbeträge sowie den Unterhalt zu übernehmen. 1866 kaufte die Post alle damals verkehrenden 24 Bahnpostwagen den Bahngesellschaften ab und gab den Bau von zehn neuen Wagen in Auftrag, welche einen Stückraum, Sackabteil, Büroraum und Kleiderraum mit Abort enthielten.

Ein Meilenstein in der Bahnpostgeschichte war die Eröffnung der Gotthardbahn 1882. Es konnten erstmals Postsendungen fast witterungsunabhängig über den Alpenhauptkamm, nicht wie bisher über den Gotthardpass, transportiert werden. Die erste Post wurde bereits am 01.01.1882, fünf Monate vor der offiziellen Eröffnung, durch den Gotthardtunnel befördert.

Das Bahnpostnetz danach weiter ausgebaut. Im Jahr 1893 gab es 273 Bahnpost-Kurse.

Die Bahnpostwagen entwickelten sich in dieser Zeit weiter. Waren es anfänglich leichte 2-achsige Wagen, folgte ihnen ab 1875 Galeriewagen mit offenem Seitengang und um die Jahrhundertwende 3-achsige Wagen mit Oberlicht. Bis 1891 wurde unter Kerzenlicht, Petrol- und Gaslampen gearbeitet. Erst später wurde die elektrische Beleuchtung eingeführt.

Zur Schweizerischen Landesausstellung („Landi“) 1939 beschaffte die Postverwaltung den 4-achsigen Bahnpostwagen Z4i 923, bekannt als „Landiwagen“, welcher eine Länge von 22.7 Metern aufwies und 34 Lampen und 20 gewölbte Fenster im Dach besass; als besonderer Komfort lieferte die Wascheinrichtung im Winter warmes Wasser. Dies war der erste wirklich zweckmässige Bahnpostwagen, der sich auch durch optimale Raumnutzung auszeichnete. Danach folgten ab 1946 Leichtstahlwagen, welche den aufkommenden Leichtschnellzügen beigestellt werden konnten.

Bereits 1857 rollte der erste Bahnpostwagen für eine Unterwegssortierung auf den Schienen. Da die Bahn einen ununterbrochenen Durchgang von der Lokomotive bis zum Zugsende verlangte, war der verfügbare Raum stark beschränkt.

Im Jahre 1990 verkehrten täglich 640 Bahnpost- und Postgüterwagen auf dem Netz der SBB und 51 bei den Privatbahnen. Die von den SBB geführten Bahnpostwagen legten pro Jahr rund 33 Millionen Kilometer zurück, und 440 Mitarbeiter arbeiteten regelmässig im Fahrdienst. Die PTT war mit ihrer Brief- und Paketpost der grösste Kunde der Bahn.

Mit der Zentralisierung der Sortierung der Pakete und später der Briefpost in einigen über das Land verteilten Paket- und Briefpostzentren entfielen immer mehr Bahnpostkurse, und Anfang August 2004, mit der Verlegung des Zeitungstransports von der Schiene auf die Strasse, war die Epoche der begleiteten Bahnpostwagen in der Schweiz zu Ende.

Zwar wird auch Heute noch die Post zwischen den Sortierzentren per Bahn befördert, aber nicht mehr im Zug sortiert.


Definition von Bahnpostwagen

Beutelspanne im Inneren eines Bahnpostwagens der Bundespost Bahnpost-Briefkasten der Deutschen Bundespost um 1990Das wichtigste Kriterium eines Bahnpostwagens ist die darin erfolgende Sortierung der Sendungen während der Fahrt, da nur dann von Bahnpost im eigentlichen Wortsinn gesprochen wird. Hierfür verfügen Bahnpostwagen über spezielle postalische Einrichtungen wie Brieffachwerke und Spannvorrichtungen für Postbeutel (so genannte Beutelspannen). Bahnpostwagen werden entweder in Reisezüge eingestellt oder bilden eigene Postzüge. Es gab auch Postabteile als Bestandteil von Gepäckwagen oder Triebwagen. In Frankreich sind einige TGV („TGV postal“) komplett für die Postbeförderung eingerichtet. Die meisten Bahnpostwagen wiesen zudem Wagenbriefkästen auf, so dass sich die Absender von Briefen bei Kenntnis der Bahnpostlinien einen Zeitvorteil bei der Abgabe ihrer Sendungen auf dem Bahnhof gegenüber dem Einwurf in einen stationären Briefkasten verschaffen konnten.

Bei manchen Bahngesellschaften z.B. in Großbritannien und den USA hatten die für die Post vorgesehenen Wagen an Fernzügen Vorrichtungen zur Aufnahme von Postsäcken während der Fahrt.


Spezielle Formen von Bahnpostbriefen

Bahnhofsbrief

Der Bahnhofsbrief ist eine spezielle Form eines Bahnpostbriefes. Er kam zustande weill der Bahnhofsbrief ein ausschliesslich mit der Bahn für die Bahn beforderter Brief war. Meist ein Infoblatt für Schalfwagengesellschaften.

Abstempelungen

Ambulant

Die Nr. unten im Rand bezeichnet die Bahnlinie, die Nr. hinter dem Datum ist die Zug-Nummer.


Artikel aus

  • kopie von Stampswiki [1]


Literatur

  • Joachim Deppmeyer, Klaus Kirsch, Peter Wagner: Kleine Typenkunde deutscher Bahnpostwagen. Transpress Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-71215-6
  • Bahnpost-Wagen-Archiv. Bundesarbeitsgemeinschaft Bahnpost e.V. (Reihe von bisher 25 Ausgaben)
  • Harry Miosga: 130 Jahre Bahnpost in Deutschland in: Archiv für deutsche Postgeschichte, Heft 1/1980, Frankfurt, ISSN: 00003-8989
  • Peter Schmelzle: Die Post auf der Schiene. 150 Jahre Bahnpost in Deutschland. Jubiläums-Edition der Deutschen Post AG, Bonn 2006
  • Jürgen Jänecke: Der Postverkehr auf der Schiene über die ehemalige innerdeutsche Grenze zwischen 1990 und 1995, 102 Seiten, eine postgeschichtliche Dokumentation. Das Buch beschreibt alle Bahnpostverbindungen zwischen VGB Ost und VGB West und zeigt alle Abbildungen der 154 dabei eingesetzten Bahnpoststempel. Selbstverlag. Tel: 04182/6583
  • Jürgen Jänecke: Die Bahnpoststempel der Dienststellen der Deutschen Post auf dem Gebiet der DDR von 1945 bis 1995, 172 Seiten, über 1000 Abbildungen, alle bekannten Verwendungszeiten, Selbstverlag, Tel: 04182/6583