Baden

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DIE MARKENAUSGABEN DES GROSSHERZOGTUMS BADEN


Die erste Auflage vom 1. Mai 1851

Die Veranlassung zur Einführung von Marken gab in Baden wie in fast allen grösseren deutschen Staaten der Postvereinsvertrag vom 6. April 1850, welcher zunächst zwischen Österreich und Preußen abgeschlossen und dann nach und nach auf fast alle anderen Staaten des Deutschen Bundes ausgedehnt wurde.

Die badische Regierung entschied bereits im Frühjahr 1850, sich dem Vertrag anzuschließen. Der entsprechende Gesetzesentwurf mußte aber zunächst den beiden Kammern der Ständeversammlung vorgelegt werden; deshalb konnte erst am 11. November 1850 das Gesetz vollzogen werden, welches Baden ermächtigte, dem Postverein beizutreten.

Dieser Beitritt erfolgte dann durch Verordnung vom 12. April 1851. Baden trat am 1. Mai in den Postverein ein und regelte zugleich den Postverkehr im Inneren neu.

Bei den ersten Marken, die gleichzeitig mit dem Eintritt verausgabt wurden, handelte es sich um vier Werte zu 1 Kreuzer sämisch, 3 Kreuzer orangegelb, 6 Kreuzer blaugrün sowie 9 Kreuzer rosa.

Die Ziffernzeichnung und die Platten stammen von der Frankfurter Firma Carl Naumann. Die Marken wurden vom Hofbuchdrucker Wilhelm Hasper in Karlsruhe in tiefschwarz auf das farbige Papier gedruckt, das von der Ettlinger Papierfabrik Franz Buhl/Vater bezogen wurde.

Der Druckbogen der 1 Kreuzer-Marke wurde in zwei Druckformen zu je 45 Marken (5 x 9) hergestellt, so daß es hier zu einer sog. „Brücke“, d. h. zwei zusammenhängenden Marken mit einem Leerfeld in der Mitte kam. Die anderen Werte wurden in einer Druckform zu je 90 Marken (10 x 9) hergestellt.

Der Abstand zwischen den im Bogen oft schiefstehenden Marken betrug nur etwa 1 - 1,5 mm, so daß gut geschnittene Exemplare selten sind.


Erstauflage Auflagezahlen

Der Druckauftrag ging am 17. Oktober 1850 an Hasper, er lieferte die Marken am 25. Februar 1851 ab. Folgende Mengen wurden gedruckt:

1 Kreuzer      291.780 Stück           6 Kreuzer     723.240 Stück
3 Kreuzer   2.755.260 Stück           9 Kreuzer     456.840 Stück

Diese Marken wurden vollständig aufgebraucht, ungebrauchte Marken sind daher sehr selten. Die zweite Auflage der ersten Ausgabe vom Herbst 1851

Da die erste Auflage schon kurz nach der Auslieferung zur Neige ging, ergab sich bereits im Mai 1851 die Notwendigkeit, eine neue Druckauflage herzustellen. Im Juni 1851 wurde das Papier geliefert, welches sich allerdings von dem der 1. Auflage recht deutlich unterschied, was auch amtlicherseits bemängelt wurde. Insgesamt erscheinen bei der 2. Auflage, die ab Herbst 1851 langsam die 1. Ausgabe ablöste, die Papierfarben blasser, während die Druckfarbe nicht mehr glänzend tiefschwarz, sondern matt mit teils farblosen Stellen ist. Auch ist jetzt das Papier dicker, so daß die Druckfarbe nicht mehr so stark durchscheint.

Die Markenfarben wurden damals wie folgt beschrieben: 1 Kr. bräunlich, 3 Kr. schwefelgelb, 6 Kr. gelbgrün und 9 Kr. lilarosa.

Bei diesen Marken kommt es auch zum ersten Mal zu einem sog. "Nahtwasserzeichen", welches dadurch entstand, daß sich Reparaturstellen im Filz in den noch weichen Papierbrei eindrückten. Auch durchschlagende Drucke, bedingt durch das vielfach zu schlecht geleimte Papier, kommen vor.

Die Marke zu 1 Kreuzer wurde nun in zwei Druckformen zu je 50 Marken (5 x 10) hergestellt, während man die Marken zu 3, 6 und 9 Kreuzer in einer Druckform zu 100 Marken (10 x 10) anfertigte. Von den drei letzten Werten existieren ebenfalls sog. „Brücken“ in unterschiedlicher Häufigkeit.

Da die Marke zu 9 Kreuzer der 2. Ausgabe insgesamt in 6 Auflagen gedruckt wurde (die letzte am 30. Juli 1859), kommen zahlreiche Farbschwankungen vor. Sie reichen von einem hellen blassrosa bis zu einem dunklen lebhaften rosarot.

Zweitauflage Auflagezahlen

Der Auftrag zum Druck der zweiten Auflage wurde bereits am 23. Mai 1851 erteilt, die Marken wurden am 9. August abgeliefert und verteilt.

1 Kreuzer	   445.000 Stück   Restbestand:    4.457 Stück 
3 Kreuzer	 3.402.400 Stück   Restbestand:    2.260 Stück
6 Kreuzer	 1.835.300 Stück   Restbestand:    1.660 Stück
9 Kreuzer	 5.819.200 Stück   Restbestand:    2.952 Stück

Bei den Restbeständen handelte es sich größtenteils um Neudrucke (siehe dort). Auch hier sind ungebrauchte Originale nicht häufig.

Die ersten Farbänderungen

Im Februar 1853 wurde erneut eine neue Auflage notwendig. Da das Königreich Württemberg inzwischen auch Schwefelgelb als Farbe seiner 3-Kreuzer-Marke eingeführt hatte, entschloß man sich in Baden - um Verwechslungen zu vermeiden - die Farbe der eigenen Marke in grün zu ändern.

Dadurch wurden auch bei den anderen Werten Farbänderungen notwendig: die 1-Kreuzer-Marke wurde weiß statt bräunlich, die grüne 6-Kreuzer-Marke gelb. Lediglich der Wert zu 9 Kreuzer behielt seine rosa Farbe.

Bei der weißen 1-Kreuzer-Marke kam es zu erheblichen Papierunterschieden in der Stärke (es gibt sowohl dickes weiches Papier als auch dünnes hartes) und in der Druckqualität, wo es zu teilweise grau wirkenden Drucken kam. Die erste Auflage dieser Marke erfolgte noch im traditionellen Handpressendruck, erst für die zweite und folgende Auflage wurde der modernere Schnellpressendruck angewandt.

Mit Generalverfügung vom 3. Juni 1853 wurden die neuen Freimarken der Öffentlichkeit angekündigt. Da der Vorrat an alten Marken erst aufgebraucht werden sollte, dürften die Marken erst Ende 1853 bzw. Anfang 1854 in Gebrauch gekommen sein.

Die Druckbogenanordnung entsprach genau der der vorigen Ausgabe. Von der Marke zu 1 Kreuzer weiß sind drei kopfstehende Kehrdrucke mit Zwischensteg bekannt, die dadurch entstanden, daß der Postbeamte den Bogen entsprechend zerschnitt.

Weitere Auflagezahlen

Der erste Druckauftrag wurde im April 1853 erteilt, das Datum der Auslieferung ist nicht bekannt.

1 Kreuzer in 5 Auflagen    5.123.100 Stück      Restbestand:  2.461
3 Kreuzer in 4 Auflagen  12.370.500 Stück      Restbestand:  1.622
6 Kreuzer in 5 Auflagen    5.605.200 Stück      Restbestand:  2.763

Die letzte geschnittene Marke

Da man am 4. Mai 1857 feststellte, daß der Vorrat an grünen 3-Kreuzer-Marken zu Ende ging, wurde eine Neuauflage erforderlich. Die Gummierung der grünen Marken war äußerst mangelhaft gewesen, und da man den Grund dazu auch in der Farbe sah, beschloss man, für die neue Auflage blaues Papier zu wählen.

Der Druckauftrag ging wie üblich an Hasper, das Papier kam wie vorher von der Papierfabrik Buhl in Ettlingen. Die Marke wurde in zwei Auflagen in Druckbogen zu 100 Marken (10 x 10) gedruckt, wobei das Papier aus einer Lieferung stammt. Von dieser Marke existieren in ganz wenigen Exemplaren auch Exemplare, die beidseitig bedruckt sind.


Auflagezahlen

Die Druckaufträge ergingen am 4. Dezember 1858 bzw. am 13. Mai 1859, das Auslieferungsdatum ist unbekannt. Ausgabedaten des Jahres1857 sind daher mit Vorsicht zu sehen!

3 Kreuzer in 2 Auflagen 4.132.400 Stück


Die ersten gezähnten Marken der Wappenausgabe

Im Herbst 1858 erwog man bei der Generaldirektion der Posten und Eisenbahnen neue Briefmarken einzuführen, da die alten Ziffernmarken mittlerweile als unschön empfunden wurden.

Als neues Markenbild wählte man das Landeswappen auf waagerecht liniiertem Untergrund nach einer Zeichnung von C. A. Weber. Ein eingereichter Entwurf des Postkommissärs Deininger mit dem Bild des Großherzogs war wegen Herstellungsschwierigkeiten abgelehnt worden. Der Stich und die Platten stammen von dem Frankfurter Graveur Louis Kurz. Gedruckt wurden die Marken in Bogen zu 100 Stück (10 x 10) wie bisher bei Hasper in Karlsruhe.

Dem Erfahrungsbericht Haspers hatte man zudem entnommen, daß es bei der Verwendung von farbigem Papier immer Schwierigkeiten gegeben hatte, den genauen Farbton zu treffen. Er schlug deshalb vor, weißes Papier farbig zu bedrucken. Die einschneidendste Änderung war jedoch die ab dieser Ausgabe vorgenommene Zähnung der Marken. Sie wurde in Karlsruhe auf einer von Baden und Württemberg gemeinsam angeschafften "Durchlochungsmaschine" angefertigt. Die beiden süddeutschen Staaten waren damit die ersten deutschen Postverwaltungen, die die Zähnung für ihre Briefmarkenausgaben anwendeten. Da die enge Kastenzähnung von 13½ für das weiche Papier viel zu klein war, sind bei dieser Ausgabe fehlende Zähne üblich.

Da der bei den ersten Freimarkenausgaben verwendete Gummi nicht befriedigt hatte, wurden im Mai 1860 Versuche mit anderen Gummisorten angestellt. Von der ersten Auflage der Marken zu 1 und 3 Kreuzer wurde die Hälfte der bereits gedruckten Exemplare mit weißem und rotem Gummi versehen, um sie so zu testen.

Das Verhältnis war allerdings sehr zu Ungunsten der Marke zu 1 Kreuzer ausgefallen, die sehr selten ist. Das Ergebnis führte dann zur endgültigen Verwendung des sächsischen Gummis.

Die neuen Werte wurden am 1. Juni 1860 der Öffentlichkeit angekündigt. Als erstes wurden die Werte zu 1 und 3 Kreuzer ausgegeben, die anderen beiden folgten 1861.


Auflagezahlen

1 Kreuzer in 3 Auflagen   4.399.200 Stück     Restbestand:  1.474
3 Kreuzer in 2 Auflagen   6.083.500 Stück     Restbestand:  2.961
6 Kreuzer in 2 Auflagen   2.424.400 Stück     Restbestand:  2.953
9 Kreuzer in 1 Auflage        978.400 Stück     Restbestand:  2.955


Die Zwischenausgabe 1862

Die preußische Postverwaltung erkundigte sich im März 1861 bei sämtlichen Mitgliedern des Postvereins, ob sie bereit wären, für die Freimarken des gleichen Wertbetrages die gleichen Farben einzuführen. Man dachte dabei an rot für die 3-Kreuzer-Marken, blau für die 6-Kreuzer-Marken und braun für die Marken zu 9 Kreuzer. Bei dem Wert zu 1 Kreuzer sollte es bei der schwarzen Farbe bleiben.

Die badische Regierung war einverstanden und beauftragte die Druckerei Hasper, Farbproben anzufertigen. Da der liniierte Untergrund das Wappen zu schlecht hervortreten ließ und man auch den Stempelabdruck nur undeutlich erkennen konnte, beschloß man, den Untergrund weiß zu lassen.

Der Stempel der meistbenötigten 3-Kreuzer-Marken war am stärksten abgenutzt, deshalb war hier eine Neuanfertigung am dringendsten. Weil zudem der Handel stark auf höhere Werte drängte, die man für Warensendungen in das Ausland benötigte, wurden auch Werte zu 18 und 30 Kreuzer vorbereitet.

Aus diesem Grund wurden die Marken zu 3, 18 und 30 Kreuzer bereits mit weißem Untergrund gedruckt, während man für die Werte zu 1, 6 und 9 Kreuzer noch die alten Druckstöcke mit liniiertem Untergrund verwendete.

Am 26. März 1862 wurden von Hasper als erstes 2.000 Blatt der 3-Kreuzer-Marke im neuen Muster, aber noch enger Zähnung, abgeliefert, der noch eine weitere Teilauflage in unbekannter Höhe folgte. Kurz danach wurde die Zähnungsmaschine einer Generalreinigung unterzogen. Dabei wurde auch den Zähnungskamm verstellt - ob absichtlich oder nicht, ist nicht bekannt, da in den Akten ein solcher Vorgang nicht erwähnt wird.

Alle nachfolgend gedruckten Marken zu 18, 30, 1, 6 und 9 Kreuzer tragen von nun an die weite Zähnung 10. Auch die folgenden Auflagen der 3-Kreuzer-Marke besitzen diese Zähnung, was die Seltenheit der enggezähnten Marke erklärt.


Auflagezahlen

  3 Kreuzer in 1 Auflage  über 200.000 Stück, kein Restbestand
18 Kreuzer in 2 Auflagen        315.200 Stück, kein Restbestand
30 Kreuzer in 1 Auflage          230.400 Stück, Restbestand 100.000
 1 Kreuzer in 2 Auflagen     2.675.800 Stück, große Restbestände
 6 Kreuzer in 1 Auflage       1.007.300 Stück, große Restbestände
 9 Kreuzer in 2 Auflagen     1.389.700 Stück, große Restbestände


Am 17. Juni 1864 wurden alle Postanstalten benachrichtigt, daß die neuen 6- und 9-Kreuzer-Marken mit weißem Untergrund bereits im nächsten Quartal ausgeliefert werden würden, während die 1-Kreuzer-Marken erst im darauf folgenden Vierteljahr zur Verteilung kämen.

Wie immer sollten aber erst die alten Bestände aufgebraucht werden. Daraus lässt sich schließen, daß die Werte zu 6 und 9 Kreuzern etwa ab Juli 1864 in Gebrauch kamen, die 1-Kreuzer-Marke dagegen erst im Oktober.

Die Farben wurden besonders bei der schwarzen 1-Kreuzer und der braunen 9-Kreuzer-Marke schlecht verteilt, so daß viele unterschiedliche und vor allem blasse Färbungen vorkommen. Die verwischten und fleckigen Drucke sind wahrscheinlich Makulatur, deren Schalterausgabe vielleicht auf einer vernachlässigten Kontrolle beruht, wenn nicht gar auf einer beabsichtigten Mitverwendung aus Ersparnisgründen. Von der rosa 3- Kreuzer-Marke mit weißem Hintergrund kamen einige wenige Stücke auch ungezähnt an die Schalter, die als „Stockach-Provisorium“, dem Ort ihrer häufigsten Verwendung, bekannt wurden. Nach neuester Forschung kam die ungezähnte Marke zum Jahreswechsel 1868/69 zur Ausgabe.


Auflagezahlen

1 Kreuzer in 5 Auflagen    7.515.400 Stück
3 Kreuzer in 7 Auflagen  26.496.400 Stück
6 Kreuzer in 3 Auflagen    3.081.600 Stück
9 Kreuzer in 4 Auflagen    5.467.800 Stück

Von diesen Marken blieben große Restbestände übrig, die in den Handel kamen.


Die KR-Ausgabe 1868

Durch den Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 fand der Deutsch-Österreichische Postverein ein vorzeitiges Ende. Unter der Vorherrschaft des siegreich gebliebenen Preußen wurde an seiner Stelle die Norddeutsche Bundespost gegründet.

Am 23. November 1867 übernahm Baden wie Bayern und Württemberg die Tarife des Norddeutschen Postbezirks, ohne allerdings dort Mitglied zu werden. Dadurch wurde ab 1. Januar 1868 ein großer Teil der bisherigen Marken überflüssig. Mit Ausnahme der Streifbandtaxe wurde für alle Briefe bis 1 Lot 3 Kreuzer als Porto festgesetzt, schwerere Briefe kosteten 7 Kreuzer. Dieses Porto galt auch für Briefe in die Schweiz, nach Belgien und Nordamerika, später dehnte man es auf fast alle anderen Staaten aus.

Obwohl man zu Anfang für diesen Portosatz noch die vorhandenen 1- und 6-Kreuzer-Marken benutzte, machte sich doch bald das Fehlen eines eigenen Wertes bemerkbar. Im Frühjahr 1868 wurde deshalb der Graveur Maier in Karlsruhe beauftragt, einen Stahlstempel für die neuen Marken herzustellen. Da die bisherige linke Randinschrift "Postverein" jetzt nicht mehr zutraf, setzte er hier ebenfalls das Wort "Freimarke" ein. Der Originalstempel wurde ohne Wertziffer gelassen, man gravierte sie in die ersten Vervielfältigungen. Die Wertbezeichnung "Kreuzer" wurde zu "KR." abgekürzt.

Die Marken wurde wie ihre Vorgänger im Buchdruck bei Hasper in Karlsruhe in Bogen zu 100 Marken (10 x 10) gedruckt, die Zähnung blieb unverändert.

Um auch eine optische Übereinstimmung mit den Marken des Norddeutschen Postbezirks zu erreichen, wurde eine erneute Farbänderung durchgeführt: die 1-Kreuzer-Marke wurde grün statt schwarz, die 3-Kreuzer-Marke blieb rot, die neue 7-Kreuzer-Marke wurde blau.

Am 22. September 1868 wurden die neuen Marken mit einem Rundschreiben angekündigt. Als erstes lieferte man den Wert zu 7 Kreuzern aus, die Marken zu 1 und 3 Kreuzer kamen erst nach dem Aufbrauchen der noch vorhandenen Bestände in den Verkehr.


Auflagezahlen

1 Kreuzer in 5 Auflagen   12.896.900 Stück
3 Kreuzer in 6 Auflagen   20.525.700 Stück
7 Kreuzer in 3 Auflagen     4.473.500 Stück


DIE NEUDRUCKE DER ZIFFERNMARKEN

Von den badischen Ziffernmarken wurden im Lauf der Jahre 1866 oder 1867 amtlicherseits Neudrucke angefertigt. Die erste Notiz davon nahm der im Juni 1867 abgeschlossene Katalog von Oscar Berger-Levrault, der ausdrücklich das Jahr 1866 angibt; andere Kataloge und Handbücher vermerken allerdings das Jahr 1867 als Ausgabejahr.

Sie wurden auf etwas stärkerem Papier (die Ausnahme bildet hier der Wert zu 6 Kreuzer gelb der Ausgabe 1853) mit von den Originalen abweichenden Farben gedruckt. Ein Bogen umfasste 20 Marken (5 x 4).

Die badische Postverwaltung betrachtete die Neudrucke als Originalmarken, so daß hierüber keine besonderen Akten oder sonstige Unterlagen angefertigt wurden.

Vermutlich benötigte man sie zum Austausch mit anderen Postverwaltungen für Archivzwecke. Diese Behauptung stützt sich auf die Bemerkung eines badischen Finanzbeamten, der Jahre später meinte, diese Marken seien fast ausschließlich vom Ausland bestellt worden. Man hätte nur komplette Sätze (einschließlich des 9 Kreuzer Wertes, dessen Existenz als Neudruck allerdings bezweifelt wird) zum Nennwert abgegeben. Der Verkauf hätte bis Ende 1871 ausschließlich in Karlsruhe stattgefunden.

Zur Auflage äußerte er die Ansicht, es seien jeweils nur 250 Bogen, also 5.000 Stück gedruckt worden. Dieser Meinung war auch Louis Senf aus Leipzig, der am 25. Juni 1873 umfangreiche Restbestände badischer Marken erworben hatte und die Neudrucke erstmals in Deutschland allgemein bekanntmachte.

Ob die Marke zu 9 Kreuzer neugedruckt wurde, ist fraglich, da zum Zeitpunkt der Anfertigung noch genügend Originale der letzten Auflage vorhanden waren. Möglich wäre allerdings ein Druck auf noch vorhanden gewesenem Originalpapier, da Senf später behauptete, auch ein Wert zu 9 Kreuzer wäre bei den gekauften Paketen dabei gewesen. Eine endgültige Klärung dürfte hier aber aufgrund der fehlenden Unterscheidungsmerkmale nicht mehr möglich sein.

Von den gezähnten Marken der Wappenausgabe existieren keine Neudrucke, alle ungebrauchten Marken sind daher Originale.


DIE BADISCHE LANDPOST

Am 1. Mai 1859 wurde in Baden die Landpost eingerichtet. Sie diente dazu, die Landbevölkerung ebenfalls regelmäßig mit Post zu versorgen.

Dazu erschienen am 1. Oktober 1862 die Landpost-Portomarken. Es handelte sich dabei um drei Werte zu 1, 3 und 12 Kreuzer in Ziffernzeichnung mit Rankenwerk, die auf gelbes Papier gedruckt wurden. Sie waren weit gezähnt 10, und erschienen in Druckbogen zu 100 Marken (10 x 10). Obwohl keine Unterlagen mehr darüber vorhanden sind, kann man annehmen, daß auch diese Marken von Hasper in Karlsruhe gedruckt wurden.

Diese Hunderter-Bogen wurden mit der dafür viel zu kleinen Kastenzähnung versehen, so daß nur die in der Bogenmitte liegenden Marken ordnungsgemäß gezähnt sind. Bei allen anderen Marken schob sich das Markenbild zum Bogenrand hin immer mehr aus den feststehenden Zähnungsquadraten hinaus, so daß gut zentrierte Stücke selten vorkommen.

Sie dienten in folgenden Fällen zur Portoerhebung:

1. zur Erhebung der Landpost-Zustellgebühr
2. als Porto für unfrankiert aufgelieferte und durch die Landpost beförderte Sendungen
3. als Nachnahmegebührmarken für Geldüberweisungen und Erhebungen von Behörden

Eine Abgabe an die Bevölkerung erfolgte während der Verwendungszeit nicht.

Der Verbrauch der Marken gestaltete sich allerdings schwieriger als erwartet, besonders der hohe Wert zu 12 Kreuzer wurde so selten benutzt, daß man während der gesamten Laufzeit nur etwa 1.500 Stück verbrauchte. Von diesen haben sich nur 102 echt gebrauchte Exemplare erhalten. Diese Marke zählt deshalb gebraucht zu den großen Raritäten.

Laut amtlicher Verfügung sollten die Landpost-Portomarken im Dezember 1870 zurückgezogen werden. In verschiedenen Orten wurden sie jedoch noch bis zum Ende des Jahres 1871 verwendet.


Auflagezahlen

  1 Kreuzer   530.000 Stück   Restbestand  316.588 Stück
  3 Kreuzer   850.000 Stück   Restbestand  445.737 Stück
12 Kreuzer   200.000 Stück   Restbestand  159.307 Stück

Diese Auflagezahlen sind nicht amtlich überliefert, sondern Angaben aus älteren Werken. Daher kommt es auch zu unterschiedlichen Zahlen.


DIE BADISCHEN BRIEFUMSCHLÄGE

Der Druck der badischen Umschläge erfolgte nach einem am 19. Mai 1858 festgelegten Vertrag zwischen der Direktion der Großherzoglichen Verkehrsanstalten und dem Preußischen Generalpostamt durch die preußische Staatsdruckerei, nachdem Versuche der Badischen Münze in Karlsruhe, die Umschläge nach preußischem Vorbild herzustellen, gescheitert waren. Als Vorlage diente der Staatsdruckerei die badische Zivilverdienstmedaille aus dem Jahre 1855 von Othemar Balbach. Sie erhielt in ihrer ornamentalen Ausführung durch den Graveur Schilling eine ähnliche Einrahmung in Guillochen wie die preußischen Umschläge.

Die von der Berliner Druckerei hergestellten Kuverts erhielten den preußischen Klappenstempel. Die Beschlüsse des Deutsch-Österreichischen Postvereins zu Beginn des Jahres 1860 machten eine neue Ausgabe notwendig. Die Farben der Wertstempel wurden durch neue, standardisierte ersetzt, gleichzeitig rückte der Wertstempel von links nach rechts. Diese zweite Ausgabe von 1862 wurde bereits ein Jahr später von der dritten abgelöst, die sich von der zweiten am erkennbarsten durch die geänderte Klappengummierung unterscheidet.

Den Druck der vierten und letzten Ausgabe übernahm unter Verwendung der stark abgenutzten Druckstöcke im Jahre 1866 die Badische Postverwaltung in Karlsruhe.

Von fast allen Umschlägen wurden zwei verschiedene Formate gedruckt, das große Format ist im allgemeinen seltener. Am seltensten sind die beiden Umschläge zu 12 und 18 Kreuzern, von denen sich keine sechs gebrauchten Exemplare erhalten haben.

Der anfänglich schleppende Verkauf war auf den geforderten Aufpreis zum Nennwert zurückzuführen. Dieser betrug bei Abnahme von 3 Stück einen Kreuzer (bei Kauf nur eines Exemplares wurden ebenfalls 1 Kreuzer verlangt). Erst nach Aufhebung dieses Aufgelds zum 1. Januar 1862 stieg der Verbrauch sehr stark an. Ein neuerlicher Aufpreis von ½ Kr. für 1 - 2 bzw. von 1 Kr. für 3 - 4 Umschläge ab 1. Januar 1870 führte dementsprechend wieder zu einem Rückgang der Verkaufsmengen.

Von der ersten Ausgabe 1858 sind zweimal Neudrucke hergestellt worden, als sich nach Rückruf und Verkauf aller restlichen 12 und 18 Kr.-Umschläge von den Postanstalten 1862 zu spät herausstellte, daß in der Zentralstelle kein Belegstück verblieben war. So wurde beschlossen, einen Neudruck in Auftrag zu geben, der nicht nur die völlig fehlenden Wertstufen und Formate zu 12 und 18 Kreuzern umfassen sollte, sondern auch die niedrigeren Wertstufen der ersten Ausgabe. Erst später stellte sich durch eine Rückrufaktion im Oktober 1864 heraus, daß bei den Postämtern noch reichliche Vorräte der Werte zu 3, 6 und 9 Kreuzern vorhanden waren.


In Unkenntnis dieser Sachlage veranlasse die Direktion der Großherzoglichen Verkehrsanstalten im Juni 1864 den Neudruck der Umschläge 3, 6, 9, 12 und 18 Kreuzer kleinen Formats sowie die Umschläge zu 12 und 18 Kreuzern großen Formats in einer Auflage von 100 und 500 Stück für das eigene Archiv bzw. zu "Tauschzwecken" mit auswärtigen Oberpostbehörden.


DIE NUMMERNSTEMPEL

Die badischen Nummernstempel erschienen zusammen mit den Marken am 1. Mai 1851 und sollten allein zur Entwertung dienen. Vorangegangen war die Anfertigung von zwei Versuchsstempeln, einem Achtringstempel mit einer kleinen Nr. "164" und einem Fünfringstempel mit der Nummer "150" in der Mitte, die auf Marken anderer Postverwaltungen ausprobiert wurden. Der Achtringstempel bewährte sich nicht und wurde abgelehnt, während der Fünfringstempel unverändert übernommen und dem Ort Waghäusel zugeteilt wurde.

Allen bestehenden badischen Postexpeditionen wurde in alphabetischer Reihenfolge eine Nummer zugewiesen, beginnend mit 1 "Aach" und vorerst endend mit "163" Zell im Wiesenthal. Obwohl zur Entwertung ausdrücklich vorgeschrieben war, reine Buchdruckerschwärze zu verwenden, haben zahlreiche Orte auch mit roter, blauer oder grüner Farbe gestempelt, was äußerst reizvolle Farbkombinationen ergab. Manche Orte, wie z. B. Rastatt, haben sogar überwiegend rot gestempelt, so daß der Nummernstempel "115" in schwarz seltener ist.

Da die Zahl der Postexpeditionen zunahm, gleichzeitig aber ehemalige Expeditionen wegen zu geringen Postaufkommens geschlossen wurden, gab es von 1853 bis 1862 neue Nummernstempel bis zur Nr. "177", welche man dem Karlsruher Stadtpostamt zuteilte. Die geschlossenen Expeditionen gaben ihren Stempel zum Teil an neueröffnete ab, so daß die ursprüngliche alphabetische Reihenfolge durchbrochen wurde.

Die Bahnpost betrachtete man als eigene Expedition, sie erhielt den Nummernstempel "164". Dieser existiert in drei verschiedenen Varianten: als normaler Fünfringstempel, als Zackenkranzstempel und als Einringstempel, der seinerseits in 17 unterscheidbare Formen unterteilt werden kann.

Einen solchen Einringstempel erhielt auch die im Juli 1853 eröffnete Post in Rittersbach mit der Nummer "165", während man den Ämtern in Mannheim und Karlsruhe (damals noch mit "C" geschrieben, was die niedrige Nummer "24" erklärt) zusätzlich sog. "Zackenkranzstempel" zuteilte, um dem großen Postaufkommen Herr zu werden. Das Karlsruher Stadtpostamt erhielt dann mit seiner Nummer "177" eine weitere Variante, nämlich einen Einring-Zackenkranzstempel, womit dann aber die unterschiedlichen Formen vollständig erwähnt wären.

Mit einer Generalverfügung vom 16. Juni 1857 ordnete die Postverwaltung dann an, daß in Zukunft ausschließlich mit schwarzer Farbe gestempelt werden sollte, was dazu führte, daß farbige Entwertungen auf der letzten Ziffernausgabe von 1858 sehr selten ist.

Da sich das doppelte Abstempeln bei steigendem Postaufkommen als mühsam und zeitraubend erwies, wurde ab 1861 die Entwertung mit dem Ortsstempel in einem Rundschreiben gestattet und 1868 dann sogar die alleinige Entwertung mit dem Ortsstempel angeordnet, so daß auf der KR.-Ausgabe die Nummernstempel sehr selten sind.


DIE VERWERTUNG DER RESTBESTÄNDE

Nachdem am 1. Januar 1872 die Deutsche Reichspost im Großherzogtum Baden die Posthoheit übernommen hatte und am 25. Febraur 1872 auch die Umtauschfrist der von da an ungültigen badischen Marken abgelaufen war, veranstaltete die Generaldirektion der Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen am 22. November 1872 eine Bestandsaufnahme aller noch vorhandenen badischen Marken und Umschläge.

Von den "KR."-Ausgaben wurden folgende Mengen gezählt:

        1 Kreuzer grün       3.372.700 Stück
        3 Kreuzer karmin      880.000 Stück
        7 Kreuzer blau       1.057.100 Stück

Bei der Marke zu 3 Kreuzer hatte man jedoch die Ausgaben von 1862 (Nr. 18) und 1868 (Nr. 24) zusammengezählt, so daß eine genaue Zahl nicht mehr angegeben werden kann. Es darf aber angenommen werden, daß es sich überwiegend um die Nr. 24 gehandelt haben wird.

Nachdem man von diesen Marken einen Bestand von je 100.000 Stück zurückgelegt hatte, wurde der Rest durch Einstampfen vernichtet. Im Mai 1878 wurden diese Restbestände an W.E.C. Bredemeyer in Hamburg für 2.000 Taler = 6.000 Mark verkauft.